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Geschichte vom 30.07.2005:

Der alte Zeichner

Zukunft. Ein alter Mann in einer Fabrik. Ein unbedeutendes Rad im Getriebe. Feierabend. In seinem Briefkasten liegt die Kündigung. Tränen. Er geht die Treppenstufen zu seiner Wohnung hinauf. Er lebt alleine in einem Einzimmer Appartement im elften Stock. Aus einem Schränkchen holt er seine alte Zeichenmappe hervor und legt sie auf den Tisch, betrachtet die Arbeiten, lächelt. Er entdeckt eine seiner selbst erdachten und gezeichneten Comic Geschichten, blättert darin, sieht vor allem jene eine Figur nach all den Jahren wieder. Er streichelt sie, beginnt erneut zu weinen, betrachtet seine Hände, erinnert sich an damals. Aus einer Schublade kramt er ein paar Zeichenfedern, einen Holzgriffel, ein Fäßchen Tusche und einige Blätter Papier. Er verletzt sich. Blut. Die rote Farbe aus der Wunde gefällt ihm, er taucht seine Zeichenfeder in das Blut. Er zeichnet. Seine rechte Hand wird zur Stahlfeder und bohrt sich immer und immer wieder in den linken Unterarm. Endlich zeichnet der Zeichner wieder. Aber auf dem Papier entsteht nur wirres Gekritzel. Der alte Mann ist kein Zeichner mehr. Ein Schrei. Sein Gesicht fällt vornüber auf das Papier. Er fällt zu Boden. Auf dem Papier ist der Abdruck seines Gesichtes zu sehen. Der Abdruck beginnt zu lächeln und tanzt auf dem Blatt Papier, ähnlich einem springenden Gummiball, umher. Der hüpfende Gesichtsabdruck begegnet jener einen Figur von damals. Die Figur gibt dem Abdruck des alten Mannes einen Fußtritt. Der Gesichtsabdruck fliegt aus der Papierwelt in die Realwelt, landet in der Blutlache, in der alte Mann liegt. Der Körper, das Zeichenwerkzeug des alten Mannes, ist tot.

30.07.2005 21.55 Uhr