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Geschichte vom 03.07.2005:

Die geflügelte Schnupftabakdose

Verärgert über den Verdruß, den ihm sein Körper heute morgen schon wieder bereitet hatte, beschloß das seltsame Wesen seinen eigentlichen Körper heute zu Hause zu lassen. Es ging zum Schrank, griff sich einen der anderen Körper und flog sodann als große Schnupftabakdose mit zwei Flügeln durch das geöffnete Fenster. Die Bewohner staunten nicht schlecht darüber, am Himmel von Stadtstadt diese seltsame Schnupftabakdose fliegen zu sehen. Aber was hätte das seltsame Wesen anderes tun sollen. Sein Körper konnte doch nicht immer nur das tun, was ihm gerade in den Sinn kam - manchmal hatte auch ein Körper seine Befindlichkeiten hinten an zu stellen, wenn es darum ging ein höheres Ziel zu verfolgen. Und weil der Körper nun schon zum wiederholten Male seinen eigenen Weg habe gehen wollen, war dem seltsamen Wesen diesmal der Kragen geplatzt. Sollte sein eigentlicher Körper doch nun machen was er wollte, das seltsame Wesen selbst würde sich heute, wie geplant, die Ausstellung ansehen. Dann eben im Körper einer Schnupftabakdose mit Flügeln.

Man kann wirklich nicht behaupten, dass diese Entscheidung dem eigentlichen Körper des seltsamen Wesens, auch nur die geringste Form von Reue entlockt hätte. Wie hätte das auch möglich sein können, da doch jegliche Form seines Gewissens gerade in einer Schnupftabakdose über Stadtstadt flog. Der Körper hatte endlich freie Bahn und konnte jetzt machen, was er wollte. Da sein Willen aber zusammen mit seinem Gewissen ebenfalls gerade über Stadtstadt flog, blieb er einfach auf dem Bett liegen und starrte sinnentleert an die violett farbene Zimmerdecke.

Nach dem ersten Schreck über die seltsame Himmelserscheinung, ergriff nun die Bewohner blankes entsetzen beim Blick in den Himmel. Einzig der Jäger war noch in der Lage vernünftig zu denken - und da er sich schon immer eine Schnupftabakdose gewünscht hatte, griff er sofort zu seinem Gewehr, um das Ding abzuschießen. Erst im letzten Augenblick konnte ihn seine Frau davon abhalten, indem sie dem Jäger einen Pfannkuchen ins Gesicht warf. Als der Jäger sich des Pfannkuchens wieder entledigt hatte, war die geflügelte Schnupftabakdose schon außerhalb seiner Schußweite.

Das seltsame Wesen flog ungestört weiter auf das Museum zu. Der Bürgermeister von Stadtstadt und der Museumsdirektor waren gerade dabei die letzten Vorbereitungen zur Eröffnung der Ausstellung zu beenden, als sie von der merkwürdigen Himmelserscheinung erfuhren. Das war für die beiden ein ganz schlimmes Vorzeichen, denn sowohl dem Bürgermeister, als auch dem Museumsdirektor, war dereinst geweissagt worden, dass sie sich an dem Tag, an dem eine Schnupftabakdose über Stadtstadt fliegen würde, zutiefst in aller Öffentlichkeit blamieren würden. Natürlich gefiel ihnen diese Vorstellung gar nicht, deshalb beschlossen sie kurzfristig, die Eröffnung der Ausstellung auf einen anderen Tag zu verlegen. Sie hofften damit ihrem Schicksal zu entgehen. Vor dem Haupteingang des Museums, wollten sie gerade den wartenden Journalisten die Verlegung des Eröffnungstermins bekannt geben, als auch schon die geflügelte Schnupftabakdose eintraf. Bei ihrem Anblick brach unter den Menschen sofort eine heillose Panik aus. Alle rannten wild schreiend durcheinander. Der Museumsdirektor und der Bürgermeister wurden in dem Tumult angerempelt und verloren ihr Gleichgewicht. Verzweifelt griffen sie mit ihren Händen in die Luft, um sich an irgend etwas festzuhalten. Der Bürgermeister erwischte dabei die Bluse von Frau Professor Lisa Hasenzahn, der Museumsdirektor ihren Rock. Es machte RATSCH!

Frau Professor Lisa Hasenzahn stand nur noch in schwarzer Spitzenunterwäsche da, der Bürgermeister und der Museumsdirektor lagen ihr zu Füßen. Trotz des Durcheinanders, fanden einige Fotografen die Zeit, auf den Auslöser ihrer Kamera zu drücken, um diese Szene in einem Foto festzuhalten. Am nächsten Tag erschien das Bild in allen regionalen und überregionalen Zeitungen, wodurch der Bürgermeister und der Museumsdirektor zum Gespött der Öffentlichkeit wurden - für einen recht langen Zeitraum. Frau Professor Lisa Hasenzahn erhielt ein Angebot vom Playboy und verdient sich seither ihren Lebensunterhalt als Model.

Das seltsame Wesen flog, sofort nachdem es bemerkt hatte, welches Chaos seine Anwesenheit vor dem Museum verursacht hatte, nach Hause zurück. Auf dem Rückweg, flog es erneut an dem Haus des Jägers vorbei - und die Frau des Jägers war froh, heute recht viele Pfannkuchen gebacken zu haben, denn sie musste nun einen weiteren nutzen, um ihren Mann davon abzuhalten die fliegende Schnupftabakdose abzuschießen. Warum sie dies tat? Sie haßte es, wenn ihr Mann Schupftabak nahm - und sie fürchtete wenn er erst einmal eine Schnupftabakdose hätte, würde er das noch sehr viel öfter tun, als er es ohnehin schon tat. Aus diesem Grund achtete sie auch immer peinlichst darauf, dass es in Stadtstadt und Umgebung keine Schnupftabakdosen zu kaufen gab.

Kurz darauf traf das seltsame Wesen in seiner Wohnung ein. Sein eigentlicher Körper lag immer noch auf dem Bett. Die geflügelte Schnupftabakdose sperrte das seltsame Wesen sogleich im Schrank weg. Es ergriff wieder Besitz von seinem eigentlichen Körper und hatte vorerst die Lust auf einen anderen Körper verloren. Es erschien dem seltsamen Wesen sinnvoller, sich in Zukunft doch lieber mit seinem eigentlichen Körper herumzuschlagen, als sich nochmals auf einen scheinbar besser zu nutzenden Körper einzulassen.

03.07.2005 15.39 Uhr