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Geschichte vom 03.07.2005:

Der Festplatz der Waldhutzel

Immer wieder verlaufen sich die Waldhutzel auf dem Weg zu ihrem verborgenen Festplatz im Grün der Wälder. Zum einen liegt das daran, dass die Waldhutzel ziemliche Schussel sind, zum anderen liegt es daran, dass ihr Festplatz so verborgen ist, dass sie ihn kaum wiederfinden können, wenn sie ihn einmal verlassen haben. Es gab deshalb schon Überlegungen seitens der Waldhutzel, die Feierlichkeiten einfach gar nicht mehr zu beenden, um damit allen Problemen nach Abschluß der Feierlichkeiten aus dem Weg zu gehen. Die Waldhutzel beschlossen aber vor einer endgültigen Entscheidung ihr Vorhaben nochmals zu überdenken. Dies war dann meist auch das Ende des jeweiligen Festes, weil sie Entscheidungen dieser Tragweite am liebsten zu Hause überdachten. Auf dem Rückweg nach Hause, verliefen sie sich dann natürlich - und irrten solange durch den Wald, bis sie entweder tatsächlich ihr eigenes zu Hause, das zu Hause eines anderen Waldhutzel - oder zurück zum Festplatz gefunden hatten. In letzterem Fall warteten sie solange auf dem Festplatz, bis schließlich auch alle anderen Waldhutzel wieder eingetroffen waren. Während sie warteten, umherirrten oder tatsächlich den Weg nach Hause fanden, vergaßen sie selbstverständlich ihr Vorhaben, das Fest nicht mehr beenden zu wollen. Sie haben deshalb niemals etwas an ihrem Verhalten geändert.

Eines Tages gab es keinen Wald mehr. Erst jetzt war es den Waldhutzeln problemlos möglich ihren Weg nach Hause zu finden. Allerdings gab es auch ihre Häuser nicht mehr. Sie lebten nun in einer riesigen ebenen Sandwüste. Weil sie keine Lust hatten sich neue Häuser zu bauen und weil einer der Waldhutzel sich glaubte daran erinnern zu können, dass sie eigentlich schon immer ein endloses Fest feiern wollten, taten sie das jetzt auch. Die Waldhutzel feierten von morgens bis abends, sieben Tage die Woche. Es gab keine Waldhutzel mehr, die sich verliefen, es gab keine Waldhutzel mehr, die in fremden Betten schlafen mussten, es gab keine Waldhutzel mehr, die einsam auf dem Festplatz auf ihre Freunde warten mussten. Die Waldhutzel waren darüber sehr glücklich. Weil sie jetzt aber Tag und Nacht tanzen, lieben, essen und trinken konnten, sie in der Nacht aber kein Licht hatten, verwechselten sie in ihrer Schusseligkeit schon manchmal diese Tätigkeiten miteinander. Es kam also durchaus manchmal vor, dass ein Waldhutzel dem anderen Waldhutzel beim tanzen in der Dunkelheit unbeabsichtigt etwas abbiß, oder ein Waldhutzel sich unbeabsichtigt mit einem Weinglas verlobte. Es gab deshalb schon Überlegungen seitens der Waldhutzel die Feierlichkeiten nur auf den Tag zu begrenzen, um damit allen Problemen nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Weg zu gehen. Diese Überlegungen kamen ihnen immer morgens. Die Waldhutzel beschlossen aber vor einer endgültigen Entscheidung ihr Vorhaben nochmals zu überdenken. Und Entscheidungen dieser Tragweite überdachten sie am liebsten in der Nacht. Sie feierten deshalb den Rest des Tages sorglos weiter. Während sie feierten, vergaßen sie selbstverständlich ihr Vorhaben, das Fest nur tagsüber fortführen zu wollen. Sie haben deshalb niemals etwas an ihrem Verhalten geändert.

Eines Tages gab es keine Nacht mehr. Es war nun immer heller Tag. 24 Stunden lang. Erst jetzt war es den Waldhutzeln problemlos möglich von unbeabsichtigten Verlobungen und Bissattacken in der Dunkelheit abzulassen. Es gab keine herumliegenden Glieder mehr, die blutenden Waldhutzeln angenäht werden mussten, es gab keine Waldhutzel mehr, die sich mit einem Weinglas verlobten. Die Waldhutzel waren darüber sehr glücklich. Weil sie jetzt immer im Licht der Sonne tanzen, lieben, essen und trinken konnten, viel ihnen nicht auf, dass es um sie herum immer heisser und heisser wurde. Sie merkten es erst kurz bevor sie in der Sonne verglühten.

03.07.2005 15.39 Uhr