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Geschichte vom 24.03.2005:

Der Wunsch des Kühlschranks

Der gemeinte Kühlschrank stand in einem ziemlich heruntergekommenen Haus, inmitten einer ziemlich heruntergekommenen Stadt. Er träumte oft davon diesen Ort zu verlassen und in eine erfreulichere Gegend zu ziehen. Da er sich aber wie die meisten Kühlschränke nicht eigenständig bewegen konnte, war dies natürlich ein recht gewagter Traum.

In der Vergangenheit hatte der Kühlschrank seiner Ansicht nach schon recht oft eindeutige Hinweise bezüglich seiner bedrückten Gemütslage gegenüber seinem Besitzer offenbart - doch diese wurden allesamt von dem Besitzer ignoriert. Aus Sicht des Kühlschranks ergab sich so das Bild, das er und sein Besitzer keine gemeinsame emotionale Basis hatten, um das Thema Umzug sachlich und nüchtern zu besprechen. In Folge versuchte er dies dann auch gar nicht mehr, sondern schaltete innerlich auf stur. Er kühlte nicht mehr, sondern versorgte die ihm anvertrauten Lebensmittel mit unstandesgemäßer Wärme. Anfangs viel dies seinem Besitzer gar nicht weiter auf, aber als es an einem Samstag zur Sportschau warmes statt kühles Bier gab, war der Bann der Ignoranz gebrochen. Der Besitzer wurde aktiv und bestellte umgehend für den nächsten regulären Arbeitstag einen Handwerker.

Auge in Auge mit dem Handwerker setzte der Kühlschrank alles daran seinen Plan weiterhin vorbehaltlos umzusetzen. Er kühlte jetzt nicht mehr nur nicht, sondern erhitze jetzt gar die ihm anvertrauten Lebensmittel. So das sich dem Handwerker beim ersten öffnen der Kühlschranktür ein grauenhaftes Bild bot, begleitet von einem nicht minder grauenhaften Geruch.

Der Handwerker war sich binnen weniger Sekunden der völligen Sinnlosigkeit eines Reparaturversuchs bewusst - für ihn gab es nur noch einen Weg Herr der Lage zu werden: der Kühlschrank musste durch ein neueres Modell ausgetauscht werden. Kaum hatte der Kühlschrank diese Worte des Handwerkers gegenüber dem Besitzer vernommen, verfiel er in einen Zustand der Glückseeligkeit. Aus diesem Zustand erwachte er erst wieder, als er sich auf einer Müllkippe wiederfand - einer noch weitaus heruntergekommeneren Gegend als die, in der er sich zuvor befand.

"Tja" dachte sich der Kühlschrank, "das ging ziemlich daneben". Aber schon zwei Tage später gesellte sich eine ausgemusterte Schaufensterpuppe zu ihm, mit der ihn sofort eine innige Seelenverwandtschaft verband. Die beiden heirateten, bekamen Kinder und verwandelten zusammen mit ihren Kindern im Laufe der Jahre die Müllkippe in eine sehr erfreuliche Gegend.

24.03.2005 23.25 Uhr